unsere Tour - Chaco und Naturpark

August - September 2021

Vorwort
Vor ca. einem Jahr, im September 2020, haben wir unsere Tour über die Ruta Jesuitica gemacht. Damals noch in dem glauben Anfang 2021 ist der Spuk/Panikdemie vorbei sind wir heute etwas desillusionierter. Die Situation war und ist im ganzen Land nach wie vor angespannt. Von daher haben wir uns mit dem Reisen sehr zurückgehalten, jetzt jedoch neuer Versuch. Wann die Nachbarländer wieder bereist werden können (auf dem Landweg), steht noch in den Sternen. Bis sich diese Situation ändert werden wir unsere Kreise in Paraguay ziehen. Jetzt geht es hoch in den Chaco, zur Kolonie Menno und zu den Lagunen. Danach zum Naturschutzgebiet Mbaracayú. Den ursprünglichen Besuch des Nationalparks Cerro Cora haben wir aus dem Programm genommen (u.a. ist über 65-jährigen der Besuch des Nationalparks verwehrt, da die Ansteckungsgefahr in der freien Natur mit Covid-19 für diese Altersgruppe besonders hoch scheint). Da sind wir doch dankbar, achten auf unsere Gesundheit und bleiben weg. Während unseres Aufenthalts im Chaco erfahren wir das der Nationalpark Cerro Cora in Flammen steht und fast zu 70% abgebrannt ist (über 5000 Hektar Wald vernichtet).

unsere Tour - Menno und Lagunen

Es ist Mitte August und wir befinden uns im paraguayischen Winter. Für den Chaco und die Lagunen die beste Reisezeit. Wir starten in Mbocayaty über Paraguari Richtung Asuncion. Dann über die Remansobrücke, dem Tor zum Chaco, auf der Ruta 9 weiter Richtung Pozo Colarado nach Loma Plata. Wobei auf der Strecke die ungewöhnliche Trockenheit dieses Jahres auffällt (vieles verdorrt und vertrocknet). Ebenso ist in der letzten kurzen Frostperiode viel Gras erfroren. Uns sind unterwegs einige große Brandherde begegnet die den Himmel und die Aussicht getrübt haben. Die Straße selber (Ruta 9) ist in vielen Bereichen besser als noch vor 4 Jahren als wir in Filadelfia waren. Jedoch ist weiterhin hohe Aufmerksamkeit gefordert. Baustellen (Ruta 9 wird erneuert) und plötzliche Wechsel der Fahrbahnbeschaffenheit sind immer noch die Regel.

Nach rund 600 km und 10 Stunden Fahrzeit sind wir in Orloff (nördlich Loma Plata) in der Cabaña Lluvia de Oro angekommen. Die Cabaña hat einen kleinen Bereich für Camping und bietet die Möglichkeit mit einem Reisemobil zu stehen. Versorgung mit Strom und Wasser ist möglich. Für den Chaco ein schöner Ort mit sehr viel Bäumen und Pflanzen, trotz großer Trockenheit alles noch grün. Die Anlage ist in einem landwirtschaftlichen Betrieb integriert und fällt durch viele Tiergehege (Pumas, Tapire, Wildschweine, Papageien, unterschiedlichste Hühnerassen, auch Pfauen und Truthähne usw.) auf. Des Weiteren eine Vielzahl von Blumen, Sträuchern und Bäumen. Wir wollten eigentlich hier das Wochenende verbringen, sind dann aber wegen einer Veranstaltung auf dem Gelände (große Hochzeit) mit dementsprechendem Lärm, am nächsten Morgen weiter gezogen.

Nach kurzer Fahrzeit (40 km) erreichten wir unser Ausweichziel die Estancia Iparoma (nördlich von Filadelfia). Eine weitläufige Anlage, jedoch im Moment noch im Winter-Ruhemodus. Es gibt ein paar mögliche Standplätze für Reisemobile, Stromversorgung und Wasser ist gegeben, ebenso nahe der Rezeption Toiletten und Duschen. Wir werden uns hier an die im Moment herrschenden hohen Temperaturen anpassen bzw. eingewöhnen, um dann in der nächsten Woche über Loma Plata zur Laguna Campo Maria zu fahren.

Zwischenbemerkung:
Dafür das wir uns im paraguayischen Winter befinden, sind die Temperaturen ausgesprochen hoch (bis zu 41 Grad, gestern bei unserer Anreise). Aufgrund dessen ist ein deutlich höherer Dieselkonsum (Klimaanlage) nicht zu verwundern (15 Liter/100 Km). Das Wasser was man an den einzelnen Steh-/Stellplätzen bekommen kann ist im Regelfall Zisternenwasser und sollte gefiltert werden, wie es die Anwohner auch machen. Internet bzw. auch Telefonverbindung ist nicht überall möglich, es ist abhängig vom Standort, und manchmal wird man an alte Zeiten des 64 Kb-Modus erinnert. Wenn man auf diversen Karten den Hinweis eines Campingplatzes findet (hier: Campamento oder Camping) sollte das nicht mit dem Begriff des europäischen Campingplatzes gleich gesetzt werden. Es ist alles sehr viel einfacher/rustikaler.

Wir starten nach Loma Plata (41 Km) um hier verschiedene Termine wahr zu nehmen. Hier kann man sich mit allem versorgen was man für die Reise und auch sonst benötigt. Die Stadt ist weitläufig angelegt, das Straßen- und Wegenetz besteht aus Asphalt, Erde, Sand und Schotter, und es ist mehr oder weniger staubig (also Lüftungen im Reisemobil geschlossen halten).
Loma Plata (Menno) war die erste Kolonie der mennonitischen Einwanderer in Paraguay und wurde 1927 gegründet. Viele kleine Einzeldörfer (über 100) gruppieren sich um das Zentrum von Menno auf insgesamt 1787 Km2. Die Wirtschaft wird von Landwirtschaft, Viehzucht und Kleinindustrie geprägt und organisiert sich hauptsächlich um die Cooperativa Chortitzer Ltda. Diese glieder sich in die Cooperativa Chortitzer (wirtschaftliche Zweig) und die Asociación Civil Chortitzer Komitee (eine gemeinnützige Organisation, die u.a. Gesundheit, Sozialwesen und Bildung umfasst). Es lohnt sich mit der Geschichte der Stadt und der Mennoniten zu beschäftigen (Museum, Pioneros Park, Museum Km 145).

Die Nacht stehen wir an der Laguna Capitan als Zwischenstation (35 Km von Loma Plata), uns ist in der Stadt zu viel Bewegung. Am Morgen danach geht es zur Laguna Campo Maria (Reserva Natural - Campo Maria), 73 Km Erdstraße und wieder viel Staub. Vom Campo Maria sind es noch ca. 8 Km bis zum Mirador (Aussichtspunkt). Wir haben uns einen Platz gesucht, aufgebaut und dann kam die Tücke der Technik, Generator springt nicht an. Alles probieren und erruieren blieb ohne Erfolg, also zurück nach Loma Plata und einen Mechaniker gesucht. Nach 2 Stunden war das Problem gelöst (Ablagerungen im Vergaser und verstopfte Düsen). Ich habe bestes Superbenzin mit 96 Oktan im Gebrauch und von LiquiMolly ein Additiv das genau das verhindern sollte. Es liegt wahrscheinlich am zu hohen Alkoholgehalt im Benzin (es dürfen mittlerweile bis zu 25% Alkohol dazugepanscht werden). Jedenfalls war der Tag gelaufen. Am Spätnachmittag zurück und wieder unseren Platz bezogen und dann müde ins Bett.

Reserva Natural - Campo Maria
Zum Stellplatz und Versorgung: Hohe und auch breite Fahrzeuge (höher als 3,25m u. breiter als 2,10m) können Schwierigkeiten bekommen um direkt bis zur Lagune, hinter dem Aussichtsturm (Mirador), vor zu kommen. Alternative für große Fahrzeuge wäre der Parkplatz am Aussichtsturm. Es gibt um die Lagune viele schöne Stellplätze (Erdweg direkt am Rande der Lagune). Am Mirador steht ein Plumsklo, ansonsten keinerlei Versorgung. Bitte auch auf die Sträucher achten, teilweise sehr spitze und harte Dornen können zu Reifenproblemen führen. Innerhalb der Woche ist man allein auf weiter Flur, am Wochenende ist das anders. Nicht jeder der hier raus fährt möchte die Ruhe und die Natur genießen.
Die Lagungen: In diesem Jahr führen die Lagunen sehr wenig Wasser und manche sind trocken. Dennoch haben wir das Glück viele Vogelarten und Wasservögel beobachten zu können u.a. Flamingos. Diese überwintern hier (aus den Anden in Bolivien kommend) an den Lagunen des paraguayischen Chaco. Für uns in jeder Hinsicht ein beeindruckendes Naturschauspiel. In diesem kleinen Paradies herrscht absolute Ruhe, nur von den Tierlauten unterbrochen. Nachts keine Lichtverschmutzung, kein Lärm und nur das Atmen des Menschen an deiner Seite ist zu hören.

Es ist Zeit aufzubrechen, unser Wasservorrat neigt sich dem Ende zu. Wir machen uns auf den Weg zur Laguna Capitan (rund 73 Km). Durch die leichten Regenfälle an den Tagen vorher waren die Naturstraßen weniger hart und hubbelig. Zum Teil waren die Straßen schon geräumt / geschoben, so daß kaum Rutschgefahr bestand.

Laguna Capitan
Zum Stellplatz und Versorgung: Das Areal ist recht groß und bietet verschiedenste Möglichkeiten seinen Stellplatz zu finden. Es gibt dort Toiletten, Wasserversorgung und Stromanschluß sowie einige gemauerte Feuerstellen. Ein schön gelegener Ort, gepflegt und sehr ruhig. Hohe Fahrzeuge können Schwierigkeiten bei der Zufahrt bekommen durch die Bäume auf dem Gelände.
Die Lagunen: Vom Platz aus führen verschiedene Wege zu den Lagunen, wobei im Moment bis auf eine alle trocken sind. Die abgestorbenen Bäume treten deutlicher hervor und man sieht im Sand wie das Salz seine Spuren hinterläßt. Es gibt auch hier diverse Vogelarten inklusive Flamingos zu beobachten.
Die Laguna Capitan gehört zur Cooperativa Chortitzer. Hier befindet sich ein Labor und Modellmelkstand indem man die Melkvorgänge und die Rinder beobachten kann. Das Campamento (Campingplatz) bietet klimatisierte Unterkünfte, WLAN und Grillmöglichkeiten an.

Fortín Isla Po´i
Wir machen noch einen Kurzausflug zum Fortín Isla Po´i (alter Militärstützpunkt in 12 Km Entfernung). Dem Fort kam im Chacokrieg (1932-1935) zwischen Bolivien und Paraguay eine bedeutende Rolle zu. Unter anderem diente es zur Sicherung der gerade entstehenden mennonitischen Kolonien. Wobei die Paraguayischen Soldaten von den Mennoniten mit Wasser und Lebensmitteln versorgt wurden. Ein anderer Grund des Chaco Krieges war der strategische Wert des Rio Paraguay, dieser ermöglicht den Zugang zum offenen Meer, ein entscheidender Vorteil für die Binnenländer Paraguay und Bolivien. Ein weiteres Motiv dieser Schlacht war die Annahme, im Chaco befinden sich große Erdölvorräte. Auch andere seltene Minerale, wie zum Beispiel Uranerz vermutete man in dieser Region. In Paraguay ist der 29. September ein Feiertag zum Gedenken an die Schlacht von Boqueron (1932). Insgesamt wird das Fortin Isla Po´i etwas lieblos präsentiert und macht in Details einen vernachlässigkten Eindruck.

Am übernächsten Tag geht es noch einmal nach Loma Plata. Wir nehmen noch einen Termin wahr und ergänzen unsere Voräte. Danach setzen wir unsere Reise in Richtung Naturschutzgebiet Mbaracayú fort.

unsere Tour - Naturschutzgebiet Mbaracayu

Nachdem wir die Lagunenlandschaft erkundet haben, machen wir uns nun auf dem Weg zum Naturschutzgebiet Mbaracayú in der Nähe von Villa Ygatimi (Departamento Canindeyú). Wir fahren die Strecke in zwei Etappen, da wir in Loma Plata erst Mittags weg gekommen sind. An der Agrarschule Francisco de Assis, die auch das Hotel Cerrito in Benjamin Aceval betreibt, bleiben wir über Nacht. Freundlicherweise wird uns auch Stromanschluß zur Verfügung gestellt und das kostenlos. Ruhig und abseits der Ruta verbringen wir eine geruhsame Nacht. Die Strecke führt uns am nächsten Tag weiter über Asuncion, Arroyos y Esteros (Ruta 3), San Estanislao, Curuguaty (Ruta 13) und Villa Ygatimi zum Naturschutzgebiet Mbaracayú. Nach 722 Km und 12 Stunden Gesamtfahrzeit kommen wir am frühen Nachmittag in der Mbaracayú Lodge an. Es gibt dort sowohl Cabañas zu mieten als auch einen separaten Campingbereich, der auch für kleinere Reisemobile nutzbar ist.

Das Naturschutzgebiet Mbaracayú stellt einen der letzten großen Waldreste in der östlichen Region Paraguays dar, von denen bereits mehr als 80% der ursprünglichen Waldfläche abgeholzt wurden. Das Mbaracayú-Reservat umfasst 64.405 Hektar und steht stellvertretend für zwei Ökosysteme mit hoher Erhaltungspriorität: den oberen Paraná-Atlantikwald und den Cerrado.

Der Paraná-Atlantikwald bedeckt den größten Teil des Reservats und wird als halblaubiger subtropischer Wald beschrieben. Auf regionaler und nationaler Ebene ist er stark bedroht und fragmentiert, und nur etwa 7 % der ursprünglichen Abdeckung bestehen bis heute.
Die Wälder des Naturreservats Mbaracayú sind die Überbleibsel dieses Ökosystems im besten Erhaltungszustand in Paraguay. Darin werden mehrere natürliche Gemeinschaften identifiziert, die verschiedene Arten von Wäldern, Grasland, Lagunen, Flussmündungen, Flüssen, Bächen, Wasserfällen und Wasserquellen umfassen. Darüber hinaus werden Hunderte von Vogel-, Säugetier-, Reptilien-, Fisch- und Amphibienarten erfasst.

Das Gesamtkonzept und die Verwaltung des Naturschutzgebiet Mbaracayú wird von der Moises Bertoni Stiftung initiiert. Daraus resultiert das die meisten Angebote, das Naturschutzgebiet kennen zu lernen, nur in Begleitung von Parkwächtern möglich ist. Es gibt geführte Wanderungen, Kanutouren, Besuch eines Waserfall (dafür ist der halbe Park zu umfahren - 50 Km) und verschiedenes mehr. Aus unserer Sicht alles etwas umständlich und wenig individuell. Das mag dem Konzept der Stiftung geschuldet sein, es ist jedoch nicht so unser Ding. So haben wir kurzfristig entschieden die Reise zu beeenden und wieder nach Hause zu fahren.

Tour Chaco

rund um Menno

Naturschutzgebiet

Diese Webseite verwendet keine Cookies und erhebt oder speichert keine personenbezogenen Daten.